Tröstende Worte


Der Tod und das Mädchen

Das Mädchen: Vorüber! Ach, vorüber!
Geh, wilder Knochenmann!
Ich bin noch jung, geh Lieber!
Und rühr mich nicht an.

Der Tod: Gib deine Hand, du schön und zart Gebild!
Bin Freund, und komme nicht, zu strafen.
Sei guten Muts! Ich bin nicht wild,
sollst sanft in meinen Armen schlafen!
Matthias Claudius

Lis Bickel und Daniela Tausch-Flammer
In meinem Herzen die Trauer

Tröstende Worte zum Thema Tod und Verlust finden Sie auch in diesem Buch. Rilke, Hesse, Goethe, Bonhoeffer u.a. begleiten Sie in ihrer Trauer mit Gedichten und Texten.

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Man sollte stolz auf den Schmerz sein –
jeder Schmerz ist eine Erinnerung
unseres hohen Ranges.
Novalis


Die Zeit „tröstet“ ja nicht, wie man oberflächlich sagt, sie räumt
höchstens ein, sie ordnet… Nicht sich trösten wollen über einen Verlust
müsste unser Instinkt sein, vielmehr müsste es unserer tiefe schmerzhafte Neugierde werden, ihn ganz zu erforschen, die Besonderheit, die Einzigartigkeit gerade dieses Verlustes, seine Wirkung innerhalb unseres Lebens zu erfahren, ja wir müssten die edle Habgier aufbringen, gerade um ihn, um seine Bedeutung und Schwere, unsere innere Welt zu bereichern… Ein solcher Verlust ist, je tiefer er uns trifft und je heftiger er uns angeht, desto mehr eine Aufgabe, das nun im Verlorensein hoffnungslos Betonte neu, anders und endgültig in Besitz zu nehmen: dies ist dann unendliche Leistung, die alles Negative, das dem Schmerz anhaftet, alle Trägheit und Nachgiebigkeit, die immer einen Teil des Schmerzes ausmacht, auf der Stelle überwindet, dies ist tätiger, innen wirkender Schmerz, der einzige, der Sinn hat und unser würdig ist.

Rainer Maria Rilke, Briefe



Man sollte nicht fürchten, dass unsere Kraft nicht hinreichte,
irgendeine, und sei es die nächste und sei es die schrecklichste
Todeserfahrung zu ertragen; der Tod ist nicht über unsere Kraft, er ist
der Maßstrich am Rande des Gefäßes: wir sind voll, sooft wir ihn erreichen
– und Vollsein heißt (für uns) Schwer-sein .. das ist alles.
Rainer Maria Rilke, Briefe


Wenn in bangen trüben Stunden
Unser Herz beinah verzagt,
Wenn von Krankheit überwunden
Angst in unserm Innern nagt;
Wir der Treugeliebten denken,
wie sie Gram und Kummer drückt,
Wolken unsern Blick beschränken;
Die kein Hoffnungsstrahl durchblickt:
O! dann neigt sich Gott herüber,
seine Liebe kommt uns nah,
sehnen wir uns dann hinüber,
Steht sein Engel vor uns da,
Bringt den Kelch des frischen Lebens;
Lispelt Mut und Trost uns zu.
Und wir beten nicht vergebens
Auch für die Geliebten Ruh.
Novalis


Wenn ihr mich sucht,
sucht mich in euren Herzen.

Habe ich dort eine Bleibe gefunden,
lebe ich in euch weiter.
Verfasser unbekannt


In des Waldes heil´gem Schweigen
Werd´ ich meine Kinder sehn,
In den Knospen, an den Zweigen
Werd´ ich meine Kinder sehn.
In saphirnen Wiegen schaukelt
Mutter Luft ihr Frühlingskind;
In den Knospen, an den Zweigen
werd´ ich meine Kinder sehn.
In den Blumen, in der Sonne
Wenden Kinderaugen zu
Und im Wind sich kindisch neigen,
werd´ ich meine Kinder sehn.
Wo durchs grüne Laubesgitter
Golden bricht der Sonnenstrahl,
In der Sonnenstäubchen Reigen
werd´ ich meine Kinder sehn.
Wo im Nest sich Tauben schmiegen,
Fische schlüpfen hin im Bach,
Schmetterling´ aus Blumen stiegen,
werd´ ich meine Kinder sehn.
Schlank vor mir emporgewachsen
Als Zypress´ und Pinie,
Mit Gebärden fremd und eigen
Werd´ ich meine kinder sehn.
An der Stelle meines Bildes,
das im Spiegel von Kristall
Mir der Bach allein will zeigen,
werd´ ich meine Kinder sehn.
Wenn ich meine Augen schließe,
kann ich fühlen sie sind nah;
In des Herzens heil´gem Schweigen
Werd´ ich meine Kinder sehn.

Friedrich Rückert


Der Tod ist kein Unglück für den, der stirbt, sondern für den, der
überlebt.
Karl Marx


Der Tod ist kein Abschnitt des Daseins, sondern nur ein Zwischenereignis, ein Übergang aus einer Form des endlichen Wesens in eine andere.
Friedrich Wilhelm Christian Karl Ferdinand Freiherr von Humboldt


Der Tod und das Mädchen

Das Mädchen: Vorüber! Ach, vorüber!
Geh, wilder Knochenmann!
Ich bin noch jung, geh Lieber!
Und rühr mich nicht an.

Der Tod: Gib deine Hand, du schön und zart GEbild!
Bin Freund, und komme nicht, zu strafen.
Sei guten Muts! Ich bin nicht wild,
sollst sanft in meinen Armen schlafen!
Matthias Claudius


So durchlauf ich des Lebens Bogen und kehre, woher ich kam.
Johann Christian Friedrich Hölderlin


Nichts tröstet mächtiger als die Gewißheit mitten im Elend von der Liebe
Gottes umfangen zu werden. Johannes Calvin


Denn vor und nach dem irdischen
Leben gibt es kein irdisches, aber
doch ein Leben.
Jean Paul


Doch wie du auch ein Ende nimmst,
du kehrest zu den Göttern, kehrst
ins heilige, freie, jugendliche Leben
der Natur, wovon du ausgingst.
Friedrich Hölderlin, Hyperion


Ich habe so oft erfahren,
wie ein Zuruf, der aus dem
Heiligtume unserer Seele kam,
in tiefer Betrübnis uns beglücken
und neues Leben, neue Hoffnung
schaffen kann.
Friedrich Hölderlin, Briefe


Außern muss sich der Schmerz;
unwillkürlich greift der Künstler
nach der Laute, um in ihren Tönen
seinen eignen Schmerz auszuhauchen.
Ludwig Feuerbach


Der Schmerz ist Leben.
Friedrich Schiller


Keiner wird gefragt, wann es ihm recht ist,
Abschied zu nehmen
von Menschen, Visionen, Zielen, sich selbst.

Irgendwann, plötzlich, heisst es, damit umzugehen,
ihn aushalten,
annehmen diesen Abschied, diesen Schmerz.
Verfasser unbekannt


Nach Deinem Tod wirst du sein,
was du vor Deiner Geburt warst.
Arthur Schopenhauer


Der Tod, der jedes Menschen Auge bricht,
lehrt uns wohl scheiden, vergessen nicht.
Verfasser unbekannt


Der Tod ist ein Horizont
und ein Horizont ist nichts anderes
als die Grenze unseres Sehens.
Verfasser unbekannt


Nicht alle Schmerzen
sind heilbar,
denn manche schleichen sich
tiefer ins Herz hinein,
und während Tage und
Jahre verstreichen,
werden sie Stein.

Wir sprechen und lachen
wie wenn nichts wäre,
sie scheinen zerronnen
wie Schaum
doch du spürst ihre
lastende Schwere
bis in den Traum.

Der Frühling kommt wieder
Mit Wärme und Helle,
die Welt wird ein Blütenmeer.
Aber in unserem Herzen
ist eine Stelle,
da blüht nichts mehr.
Verfasser unbekannt


Es gibt viel Trauriges in der Welt und viel Schönes-
manchmal scheint das Traurige mehr Gewalt zu haben,
als man ertragen kann,
dann stärkt sich indessen leise das Schöne
und berührt wieder unsere Seele.
Hugo von Hofmannsthal


Und wenn Du Dich
getröstet hast,
wirst Du froh sein,
mich gekannt zu haben.
Saint-Exupery

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